09. March 2021

Streaming-Formate: Tipps für eine professionelle Verdolmetschung

Die Corona-Pandemie hat die Welt der Meetings, Konferenzen und Events radikal verändert: Während es im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 überhaupt keine Präsenzveranstaltungen mehr gab, haben sich mittlerweile neue Veranstaltungsformate etabliert. Für Events wie Schulungen, Produktvorstellungen oder Präsentationen für das internationale Händlernetz geht der Trend zu Streaming-Events. Worauf kommt es bei der Verdolmetschung solcher Formate an?

 

Charakteristisch für Streaming-Events ist, dass auch vorproduzierte Inhalte in das Format einfließen. Häufig findet also nur noch ein Teil des Events – etwa die Moderation oder Diskussion – tatsächlich live statt. Viele Präsentationen, Vorträge oder andere Elemente werden nicht mehr in dem Moment gehalten, in dem die Zuhörer:innen die Inhalte konsumieren, sondern bereits im Vorfeld professionell erstellt. Sie stehen dann in sehr hoher Qualität fix und fertig für den Tag der Veranstaltung bereit.

 

Für die Veranstalter ist das eine große Chance: Sie können die Beiträge gut vorbereiten und dadurch eine hohe Qualität sicherstellen – und das in einer sehr kompakten Form, die auch das Zeitbudget des Publikums schont. Denn in gestreamten Veranstaltungen transportieren Unternehmen im Schnitt in drei Stunden so viele Inhalte wie bei einer ganztägigen Präsenzveranstaltung. Der Grund: Die Informationsdichte ist wesentlich höher.

 

Streaming-Events erhöhen die Anforderungen an die Dolmetscher

Aber dieser Formatwandel hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf die Verdolmetschung. Die Veranstalter müssen sich mit der Frage auseinandersetzen: Wie schaffen wir es, dass eine mehrsprachige Streaming-Veranstaltung – etwa die Präsentation einer Produktneuheit – in der Verdolmetschung genauso professionell wirkt wie im aufwändig produzierten Original?

 

Dazu muss man wissen: Simultandolmetscher:innen verarbeiten in der Regel natürliche, also spontan geäußerte Sprache. Sollen sie nun simultan Inhalte dolmetschen, die Marketing-Expert:innen mit viel Aufwand bereits im Vorfeld produziert haben, gelingt dies nicht ohne intensive Vorbereitung. Denn die Inhalte sind viel komplexer und in der Regel anspruchsvoller als spontan gesprochene Sprache. Anekdoten, lange Sprachpausen oder Fehler finden sich in vorproduzierten Formaten kaum – sie werden herausgeschnitten und die Stellen in einem zweiten oder dritten Anlauf optimiert.

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Die Honorarstruktur der Dolmetscher spiegelt die alte Veranstaltungswelt wider

Was bedeuten diese Veränderungen nun für den Job der Dolmetscher? Sie benötigen mehr Zeit für die Vorbereitung, denn die Fehlertoleranz ist bei kompakten, vorproduzierten Inhalten viel geringer. Die Verdolmetschung eines professionellen Marketing-Films mit auf den Punkt verfassten Sprechertexten kann spontan nicht auf dem gleichen Niveau erfolgen wie im Original – dafür braucht es eine intensive Vorbereitung.

 

Als Faustregel gilt: Die Dolmetscher benötigen im Schnitt fünf Mal so viel Vorbereitungszeit für die Verdolmetschung eines Clips oder Werbefilms im Vergleich zu einer spontan gehaltenen Präsentation. Die Anforderungen an die Dolmetscher sind in Streaming-Formaten also höher geworden. Das Problem für die Sprachmittler: Die Honorarstruktur spiegelt noch die alte Welt wider.

 

So erhalten Sie auch für vorproduzierte Inhalte eine professionelle Verdolmetschung

Damit auch Ihr Streaming-Event auf hohem Niveau verdolmetscht werden kann, müssen sich alle Beteiligten an Spielregeln halten. Dolmetscher müssen wissen, was auf sie zukommt und die Chance haben, sich intensiv vorzubereiten und ihre Angebote entsprechend zu gestalten.

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