23. Juli 2019

Wie arbeitet ein Dolmetscher?

Eine der klassischen Fragen, die Konferenzdolmetschern in der Kaffeepause gestellt wird, ist, ob sie den Inhalt der von ihnen gedolmetschten Rede überhaupt verstehen, oder ob es ausreicht, das Gesagte einfach Wort für Wort zu übersetzen.


Nur Wörter übersetzen, oder auch Verstehen?

Die hochkonzentrierte Arbeit des Simultandolmetschens mag für Außenstehende zuweilen zwar so aussehen, als sei eine menschliche Übersetzungsmaschine am Werk, die automatisiert und in hoher Geschwindigkeit ein Wort nach dem anderen ausspuckt. In der Tat müssen die Dolmetscher jedoch sehr wohl den Inhalt der Rede verstehen, die sie simultan übersetzen. Schließlich geht es darum, eine Botschaft zu übermitteln. Das Ziel ist nicht, die einzelnen Worte stur in der gesagten Reihenfolge zu übersetzen. Das würde übrigens schon aus grammatikalischen Gründen häufig zu völlig unverständlichem Kauderwelsch führen.

Ja, aber – so kommt dann prompt die berechtigte nächste Frage über dem Nachmittagskaffee - wie machen das dann diese Allrounder, die heute auf der Medizinkonferenz arbeiten, morgen für eine Mitarbeiterversammlung im Halbleiterwerk übersetzen und übermorgen in kleinen Verhandlungsrunden helfen, Details eines Fusionsvertrages in beiden Sprachen korrekt auszuformulieren? Kennen die sich wirklich in all diesen Fachgebieten gründlich aus, jederzeit und auf Abruf? Die Antwort ist: Ja und Nein.
 

Erfahrene Dolmetscher verfügen über Fachkenntnisse

Einerseits sind Konferenzdolmetscher nicht nur Spezialisten ihrer Sprachen, sondern auch ihrer Fachgebiete. Sie erarbeiten sich im Laufe ihres Berufslebens bestimmte Kernthemen, in denen sie sich besonders gut auskennen. Diese ergeben sich aus persönlichen Interessen, bereits bestehenden Vorkenntnissen oder sogar vorherigen Studien bzw. Berufsausbildungen – und manchmal einfach aus den Anforderungen des betreffenden Marktes. Zusätzlich sind alle Dolmetscher auch gefordert, ein robustes Allgemeinwissen aufzubauen, auf das sie bei fast jeder Veranstaltung zurückgreifen.  Auch kann eine noch so spezialisierte Fachsitzung einen völlig anderen Verlauf nehmen als ursprünglich geplant. Daher verfügt jeder Dolmetscher über grundlegende Kenntnisse von wirtschaftlichen Zusammenhängen und ist über das aktuelle Tagesgeschehen – in allen seinen Sprachen! - informiert.

 

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Eine gründliche inhaltliche und terminologische Vorbereitung ist das A und O

Trotz dieser Wissensgrundlage ist auch für den erfahrensten Dolmetscher eine gründliche Vorbereitung auf die jeweilige Veranstaltung unerlässlich. Zum Einen sind die Fachgebiete, in denen man arbeitet, so vielfältig, dass es schier unmöglich ist, sämtliche Vokabeln jederzeit und unvorbereitet aus dem Ärmel schütteln zu können. Wer gerade eine Woche durchgehend Präsentationen über Provenienzforschung zu Kunstobjekten aus der Kolonialzeit gedolmetscht hat, muss sozusagen erst den Chip wechseln und sich neu einstimmen, wenn er anschließend eine Bilanzpressekonferenz vor sich hat und dabei prompt und einwandfrei mit der entsprechenden Terminologie aufwarten will.
 

Ohne Fachkenntnisse kein Verständnis, ohne Verständnis keine richtige Verdolmetschung

Zum Anderen geht es neben der Erstellung und Verinnerlichung von veranstaltungsspezifischen Glossaren eben auch darum, die angesprochenen Konzepte zu verstehen. Nur wer die Funktionsweise eines Verbrennungsmotors kennt, kann wirklich kompetent einen Austausch zwischen Ingenieuren darüber am Modell dolmetschen. Und auch in diese Inhalte wird ein professioneller Dolmetscher sich immer wieder einarbeiten, bevor er in den Einsatz geht. Dazu gehört auch, sich über neue Entwicklungen in den jeweiligen Fachgebieten auf dem Laufenden zu halten.

Die gründliche inhaltliche und terminologische Vorbereitung auf einen Einsatz ist also das A und O der Dolmetscharbeit. Sie beinhaltet weit mehr als das Auswendiglernen von Vokabellisten. Neben dem Durcharbeiten der speziell für die Veranstaltung zur Verfügung gestellten Materialien kann dazu auch die selbständige Recherche online, in Fachmagazinen oder auf Messen gehören - oder auch einmal ein spontanes Interview mit einem Experten, den man gerade auf einer Party kennengelernt hat.

Je aufwändiger die Vorbereitung, desto weniger bemerkt der Zuhörer sie meist, da sich die Übersetzung eines gut vorbereiteten Dolmetschers in der Regel flüssig und mühelos anhört. Doch auch wenn der Zuhörer die Vorbereitungsarbeit nicht bewusst wahrnimmt – wenn sie nicht getan wird, bemerkt er deren Mangel sehr deutlich.


Daher ist es immer sinnvoll, einen professionellen Konferenzdolmetscher zu buchen. Bei den AIIC-Dolmetschern auf fachdolmetschersuche können Sie sicher sein, dass die erforderliche Vorbereitungsarbeit getan wird, damit die Verdolmetschung nicht nur inhaltlich und sprachlich korrekt ist, sondern sich auch dem Anlass entsprechend passend und flüssig anhört.

Die Antwort in der Kaffeepause könnte also lauten: „Ja, wir müssen den Inhalt verstehen, um ihn zu dolmetschen. Und da wir gerade darüber sprechen: Wie genau lautete nochmal die Formel für diese Spannungsrisskorrosion?“

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